John Friedmann – Flaschendrehen Furioso

20 Jul

Die Paare Heiko und Sandra, Lutz und Tina, Anna und Carlo, sowie Carlos Neusingle-Schwester Elli, buchen einen hoffentlich fabelhaften Urlaub in einer Villa in Italien. Leider landen alle ungewollt in dem gleichen Gebäude. Da die Paare unterschiedlicher nicht sein können, wird aus dem Urlaub eine Tortur. Doch es warten einige, positive wie auch negative, Überraschungen auf die Protagonisten…

John Friedmann, der mit dieser Lektüre beweist das er außer der Schauspielerei noch weiter Talente hat, schafft es mit einem sehr humorvollem und doch stellenweise recht gesellschaftskritischem Roman, den Leser zu fesseln.
Der Autor kann die jeweiligen Szenarien wunderbar bildlich in Text formen, sodass man eigentlich immer ein kleines Kino im Kopf hat und dadurch gar nicht mehr aufhören will zu lesen. Sehr angenehm ist auch wie mit dem Spannungsbogen umgegangen wird. Von sehr erheiternd bis hin zu kritisch, melancholisch und traurig, gleicht dieser eher einer Achterbahnfahrt. Trotz des sich anwachsenden emotionalen Spektrums, ist aber immer noch Platz für ein wenig humoristische Würze.
Aufgrund der vielen differierenden Charaktere reißt das Vergnügen beim lesen nicht ab. Auf alle Person wird eingegangen und sie werden auch sehr gut beschrieben, dadurch kristallisieren sich prompt die liebsten Hauptfiguren heraus. Hinzu kommt das sich die jeweiligen Perspektiven ändern und man so verschiedene Sichtweisen auf die Dinge erhält und man etwas Raum zum Luft holen bekommt. Dieser Wechsel ermöglicht es Friedmann, gesellschaftskritische Themen anzuschneiden und lässt das Buch eben nicht in einem hedonistischen Kontext stehen, wobei Hedonismus wohl doch obsiegt. Da es keine Kapitel gibt, haben die oft wechselnden Dialogen der Personen, den Vorteil, dass das Geschriebene nicht unter Langatmigkeit “leidet”.
Das Ende hat mich wiederum nicht recht überzeugt, doch nicht in dem Maße, dass ich sagen würde jenes Ende wäre völlig verrissen worden.

Schon die Gestaltung des Buches ist eines zweiten Blickes wert. Als ersten fallen natürlich die abgerundeten Ecken auf. Durch diese wird das Buch sicherlich in der Buchhandlung auffallen. Außerdem tragen die nicht vorhandenen Ecken irgendwie dazu bei, in Verbindung mit der Covergestaltung, eine sommerlich stimmende Lektüre zu suggerieren. Also eine runde Sache. Das Design des Covers spricht in erster Linie junge Menschen und angehende Erwachsende in der Adoleszenzphase an. Der weiße Stern, auf dem in attraktiven Lettern, der mit Titel und der Name des Autors bedruckt ist, weckt in mir Assoziationen von Web2.0. Die Kombination der ansehnlichen Zeichnungen (innen wie außen) und der Graustufen-Bilder ist ausgezeichnet und lädt zum fantasieren ein.
Generell bin ich ja der Meinung, dass Grün eine nicht sehr kreative Farbe ist. Doch hier passt die Farbe einfach und die grafische Leinenstruktur gibt dem ganzen einen gewissen Touch. Das Design ist gut gelungen, nicht zu überladen.
Normalerweise bevorzuge ich einen festen Einband. Das Buch kommt aber trotzdem recht stabil daher. Hervorragend ist auch, dass der Rücken nicht mit dem Buchblock verklebt ist, sodass keine hässlichen Falten beim lesen entstehen.
John Friedmann hat mit Flaschendrehen Furioso einen großartigen Debütroman vorgelegt, der wunderbar für laue Sommerabende geeignet ist. Wenn man mal Lust auf ein Buch hat, dass nicht so Komplex und schwer verdaulich ist, sollte man zu diesem Stück köstlicher Literatur greifen.

Wenn ich dem Buch ein Musiktitel zuordnen sollte, würde ich “Wax & Wire” von Loch Lomond wählen. Wobei “54-46 Was My Number” von Toots & The Maytals, auch passen würde.

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